Minijob – ist die Befreiung von der Rentenversicherung sinnvoll?

Minijob

Kristina Hintzen bloggt am:

Kristina Hintzen

Minijobber mit einem Entgelt bis zu 450 € sind seit 2013 grundsätzlich rentenversicherungspflichtig, können sich hiervon aber durch einen einfachen Antrag beim Arbeitgeber befreien lassen.

Aufteilung der Rentenversicherungsbeiträge

Wichtig zu wissen ist, dass die Beiträge nicht hälftig von Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu tragen sind. Ausgehend vom vollen Beitragssatz in der Rentenversicherung in 2016 von 18,7 % bezahlt der Arbeitgeber in Form seines Pauschalbeitrags bereits 15 % des Arbeitsentgelts, der Minijobber führt jedoch nur den Differenzbetrag zum vollen Beitragssatz, also 3,7 % ab. Bei einem Arbeitsentgelt von 450 € sind das für den Minijobber 16,65 €, welche von seinem Verdienst einbehalten werden.

Aber aufgepasst,

bei einem monatlichen Arbeitsentgelt unter der Mindestbemessungsgrundlage zur Rentenversicherung von 175 € erhöht sich der Aufstockungsbetrag des Arbeitnehmers und kann dazu führen, dass er kaum noch etwas ausgezahlt bekommt. Denn während sich der Pauschalbeitrag des Arbeitgebers vom tatsächlichen Arbeitsentgelt berechnet, erhöht sich der Aufstockungsbetrag des Minijobbers aufgrund der Berechnungsgrundlage von 175 €. Verdient er beispielsweise nur 100 €, ergibt sich ein Gesamtbeitrag zur Rentenversicherung in Höhe von 175 € x 18,7 %, also 32,73 €. Abzüglich des Arbeitgeberanteils von 15 € ergibt sich dann ein Eigenanteil von 17,73 €. Bei sehr geringen Verdiensten kann dies sogar dazu führen, dass der Minijobber dem Arbeitgeber noch etwas zurückzahlen muss. Kann sich das überhaupt lohnen?

Vorteile der Rentenversicherungspflicht

Die monatliche Rente wächst bei einem Jahr Minijob-Beschäftigung von 450 €, aufgrund der Abführung des Eigenanteils von 16,65 € um 0,86 €. Dies führt dazu, dass die meisten Minijobber sich von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen.

Doch aufgrund der Rentenversicherungspflicht ergeben sich einige Vorteile, die man bedenken sollte:

  • Es werden vollwertige Beitragszeiten für die Rente erworben. Sie werden auf die Wartezeiten in der Rentenversicherung angerechnet, z.B. für die vorzeitige Altersrente oder die Erwerbsminderungsrente. Gerade für Studenten ergibt sich hier ggf. die Möglichkeit, weitere Mindestversicherungsjahre zu erwerben.
  • Der Minijobber erhält Versicherungsschutz mit allen Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung – einschließlich Reha-Maßnahmen.
  • Der Minijobber ist unmittelbar förderberechtigt bei der Riester-Rente. Bei Geringverdienern kann schon die Zahlung eines jährlichen Eigenbeitrags von 60 € ausreichen, um die volle Zulage zu erhalten. Die Grundzulage beträgt 154 € und für Kinder, die nach dem 31.12.2007 zur Welt gekommen sind 300 €, für alle Kinder, die vorher geboren wurden, sind es 185 € pro Jahr. Für Riester-Sparer unter 25 Jahren gibt es sogar im ersten Beitragsjahr einmalig eine Zulage von 200 €.

Fazit

Für gewisse Personengruppen wie z.B. Studenten und Hausfrauen kann sich die Rentenversicherungspflicht lohnen. Wer jedoch bereits über eine Hauptbeschäftigung rentenversicherungspflichtig beschäftigt ist, kann auf die Rentenversicherungspflicht wohl verzichten und die 16,65 € anderweitig verwenden.

Beste Grüße

Kristina Hintzen

 

Feedback

  Kommentare: 8

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  2. Hallo,
    vielen Dank für die gute Erklärung. Das war sehr aufschlussreich.
    Gruß Holger

    • Ihnen ist aber schon bekannt, dass die Pauschalbeiträge des Arbeitgebers, welche bei Minijobbern abgeführt werden, den Arbeitnehmern überhaupt nicht zugute kommen, denn sie werden „anonym“ an die Knappschaft abgeführt – nicht 1 Cent landet auf dem Rentenkonto des Arbeitnehmers (Minijobbers). Es macht also sehr wohl Sinn, die Rentenbefreiung NICHT zu beantragen, weil dann wenigstens etwas dem Billiglohnempfänger (Minijobber) bleibt, außer „leere“ Anwartszeiten.

      • Hallo,

        vielen Dank für Ihren Kommentar zu unserem Beitrag. Ich geben Ihnen vollkommen recht, dass eine Befreiung von der Rentenversicherungspflicht bei Minijobbern sehr genau zu überlegen ist. In unserem Beitrag sind die Vorteile aus der Rentenversicherungspflicht daher auch hervorgehoben.
        Viele Grüße
        R.Gerlach

  3. Hallo,
    danke für die tolle Aufstellung, sehr gelungen.
    Aber wie verhält es sich in der Elternzeit bzw Erziehungszeit. In diesem Zusammenhang werden ja auch Rentenansprüche angerechnet. Sind diese wie eine Hauptbeschäftigung zu sehen?

    Die Frage lautet: Ist die Zahlung der zusätzlichen Rentenbeiträge dann sinnvoll?

    Beste Grüße
    Patrick Bender

    • Guten Tag,
      vielen Dank für Ihren Gastkommentar auf unserem bohle-teamblog. Über Ihr Lob haben wir uns sehr gefreut. Zu Ihrer Anfrage kann ich Ihnen leider keine Stellungnahme abgeben. Mit unseren Beiträgen möchten wir allgemeinverständlich zu steuerlichen Sachverhalten Informationen geben. Soweit sich hieraus jedoch Fragestellungen zu konkreten Sachverhalten ergeben, können wir aus berufsrechtlichen Gründen keine steuerliche Beratung geben. Wir bitte hierfür um Verständnis.
      Herzliche Grüße
      Ralf Gerlach

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